CD: Die Zauberbrücke

Der Streit zwischen Wasser und Wein

Volksweise 1530 / Bearb.: Hans Spielmann

Ich weiß mir ein Liedlein hübsch und fein,
wohl von dem Wasser, wohl von dem Wein -
der Wein kann's Wasser nicht leiden,
sie mußten halt alleweil streiten.

Da sprach der Wein: "Bin ich so fein!
Ich glänze wie rot Rubinenstein
auf Bechern, auf Backen und Nasen,
wenn festlich Drometen blasen!

Da sprach das Wasser: "Bin ich so fein!
Man braucht mich in den Badstübelein,
darinnen manche Jungfraue
sich badet kühl und laue!"

Da sprach der Wein: "Bin ich so fein!
Man schenkt mich den Doktoren ein!
Wenn's Lichtlein nit will leuchten,
geh'n sie bei mir zur Beichten!!"

Da sprach das Wasser:" Bin ich so fein!
Es geh'n die Schiffe, groß und klein,
Sonn', Mond auf meinen Straßen -
die Erd' tu ich umfassen!"

Da sprach der Wein: "Bin ich so fein!
Ich darf wohl Lacrimae Christi sein,
wenn füllet in Andacht den Becher
der allerfrömmste Zecher!!"

Da sprach das Wasser: "Bin ich so fein!
Ich lauf dir über die Wurzel hinein:
Wär' ich zu dir nicht geronnen,
du hättest nicht können kommen!!!"

Da sprach der Wein: "Und du hast recht!
Du bist der Meister und ich bin der Knecht!
Dein Recht will ich dir lassen -
Zieh du nur deiner Straßen!"

Das Wasser sprach noch:
"Hätt'st du mich nicht erkannt,
du wärest sogleich an der Sonne verbrannt!!!!"
Sie wollten noch länger so streiten. -
Da mischte der Schankwirt die Beiden!